rossological fine art

ROSSOLOGY in Hamburger Abendblatt, May, 17th 2014

Added on by Oliver Ross.

17.05.14

AUSSTELLUNGEN

 

Mammutschau von 300 Künstlern beim Bremer Kunstfrühling

Auf einer Fläche von 14.000 Quadratmetern werden noch bis 25. Mai Installationen, Fotografien, Malerei, Videoarbeiten und Performances gezeigt. Auch Hamburg hat viele Künstler geschickt und ist Partnerstadt.

Bremen. Sicherheit ist auch für die Kunst wichtig. Wenn ein paar Tausend Besucher zu einer Vernissage kommen wie am Donnerstag beim Bremer Kunstfrühling, müssen genügend Notausgänge vorhanden sein. Deshalb werkeln kurz vor der Eröffnung immer noch Handwerker an den Türen, die nun zwei der alten Rolltore in der heruntergekommenen Gleishalle ersetzen. Die behördlich verordnete Sicherheit hat Kurator Ludwig Seyfarth wieder aufgenommen: "Notausgang am Horizont" ist der Titel einer Sonderausstellung im hinteren Teil der Gleishalle. 70 Künstler, darunter die documenta-Teilnehmer John Bock und Zanele Muholi, zeigen hier auf 4000 Quadratmetern Fläche ihre ästhetischen Positionen. Installationen, Fotografien, Malerei, Videoarbeiten und zwei Performances gehören zu diesem Programm, das ohne roten Faden auskommt.

 

Am Ende der schon lange stillgelegten Halle, etwa zehn Fußminuten vom Bremer Hauptbahnhof entfernt, steht ein Hochsitz, den Kornelia Hoffmann gebaut hat. Von oben kann der Betrachter den gesamten Raum überblicken, die Wände sind der Horizont und das Pendant zum Notausgang. Insgesamt 14.000 Quadratmeter Fläche stehen dem Bremer Künstlerverband in der Gleishalle zur Verfügung, 80 Museen und Galerien und etwa 300 Künstler insgesamt sind an der Mammutschau beteiligt. Partnerstadt ist in diesem Jahr Hamburg. Die Kunst-Journalistin Belinda Grace Gardner hat die verschiedenen Hamburger Institutionen für die Bremer Schau ausgewählt, ein paar weitere konnten sich bewerben und erhielten eine Wild Card.

Die großen Museen wie Kunsthalle, Deichtorhallen und Museum für Kunst und Gewerbe sind an der Weser nicht vertreten, dafür viele Galerien und unabhängige Kunstorte, die in Hamburg wichtig sind. Die Bandbreite reicht von der Galerie Conradi und Feinkunst Krüger über die Künstlerkollektive im Gängeviertel und den Künstlerverein Frappant bis hin zur Off-Galerie Nachtspeicher 23. Auch die Studenten der Hochschule für Bildende Künste Hamburg und der Hochschule für Kunst in Bremen sind dabei. Alle drei Jahre stellt der Bremer BBK diese Schau auf die Beine, der Etat beträgt 235.000 Euro, mit 120.000 Euro unterstützt die Bremer Kulturbehörde den Kunstfrühling.

Man muss sehr viel Zeit mitbringen, um diesen Kunst-Parcours zu bewältigen. Viele der großformatigen Arbeiten bleiben haften: Etwa Michael Dörners Installation "Wer hat Angst", für die man unter einem breiten roten Viereck hindurchtauchen muss. Oder Mei-Shiu Winde Lius Arbeit: Sie lässt Dutzende scheinbar mit Wasser gefüllte Plastikbeutel von der Decke regnen, die sich sanft bewegen wie ein Mobile. Viele Besucher knien vor der kreisrunden Installation, die aus Gießharz hergestellt ist. Zwei Aufseher und ein rot-weißes Absperrband sichern den Zugang von Naho Kawabes "Restrict". Sie besteht aus einer 3,50 mal zehn Meter großen Fläche aus Kohlenstaub und wirkt auf den ersten Blick wie ein Teppich. Fußabdrücke würden diese filigrane Arbeit des seit 13 Jahren in Hamburg lebenden Japaners sofort zerstören.

Das Publikum flaniert interessiert und staunend durch die langen Gänge, die durch Gleisbetten und Schienenstränge getrennt sind. Schwarz gekleidete Boten einer Performance verteilen Postkarten mit Nachrichten, der Klingelton ihrer Ankündigung gehört zum Grundrauschen dieses Kunstfrühlings, Tänzer in Rot schweben in Superzeitlupe durch den Raum und sind lebendige Beispiele für Entschleunigung. Es scheint, als wollten sie die Zuschauer dazu ermuntern, sich Zeit zu nehmen beim Betrachten der Werke.

Bremer Kunstfrühling, Beim Handelsmuseum 9, bis 25. Mai, täglich von 11 bis 20 Uhr